Donnerstag, 8. April 2010

Gedanken zur Kulturförderung oder "no money no fun"

Unsere Event- und Spaßgesellschaft lebt immer mehr nach dem Aldi-Lidl-Penny-Prinzip. Kulturelle Ereignisse sollen möglichst auf höchstem Niveau stattfinden und dabei extrem billig angeboten werden. Der berühmte Spagat zwischen der Öffnung der Kultur und Kunst für Geringverdienende (Kinder, Jugendliche Studenten, Hartz IV-Empfänger) und der Absicherung der Einnahmen von Bund, Land, Stadt und Gemeinden erfordert eine politische Lösung, die mit sehr viel Fingerspitzengefühl herbeigeführt werden muss.
In der kulturellen Zukunft unserer Stadt Hagen kommt es mit Sicherheit zu dem Punkt, dass die Mittel für Kulturzentren und Projekte der Kulturschaffenden so weit heruntergefahren werden, dass eine Förderung zugunsten der Rezipienten und Künstler nicht mehr stattfindet.
Aus diesen zwingenden Gründen heraus fällt den Unternehmen und Organisationen im Hagener Umfeld die Aufgabe zu, zukünftige Träger der Kultur zu werden. Ob stilles Sponsoring oder offensive Förderpolitik - beides trägt dazu bei, Kulturschaffenden den notwendigen Rahmen (Grundverdienst) zu geben. Geben ist das Schlüsselwort - denn nur durch Beauftragung von Kulturveranstaltungen und Kunst- und Werkaufträgen kann das dringend benötigte Kapital zum Überleben in unserer Gesellschaft an die Produzierenden fließen.
Ein Kulturschaffender in der Kleinkunstszene sollte für einen abendfüllenden Vortrag schon seinen angemessenen Lohn (Gage) erhalten. Das ist aber leider nicht die Realität. Festgagen werden immer seltener und mit der sogenannten 70/30-Regelung der Eintrittsgelder ist der Kulturschaffende unmittelbar von der Besucherzahl abhängig und kann eher verlieren als gewinnen.
Viele Auftritte müssen mit so geringen Gagen absolviert werden, um nach Abzug der Anreise und eventuellen Hotelkosten nur noch einige Euro übrig zu behalten und dafür hat der Künstler wochenlang an seinem Programm gefeilt. Bei den bildenden Künstlern werden Ausstellungen durchgeführt, die weder einen Bildkauf garantieren noch eine Ausstellungsvergütung beinhalten. Da in den meisten Fällen für die Ausstellung der Werke kein Honorar gezahlt wird, muss der Auf- und Abbau auch noch selbst finanziert werden.
Es bedarf machen Auftrittes und einer Vielzahl von Projekten und Ausstellungen, um einen überlebensnotwenigen Verdienst zu erlangen.
Sponsoren und Förderern ist ein breites Spektrum an Möglichkeiten an die Hand gegeben die kulturelle Szene zu unterstützen. Betriebsfeiern, Festvorträge, Jubiläumsveranstaltungen, Eröffnungen, Symposien und vieles Andere mehr bieten sich an, ein abwechslungsreiches Programm gemeinsam mit Künstlern zu gestalten. Hier ist der Fantasie des "zahlenden Nutzers" keine Grenze gesetzt.
Wie ist das denn so in Hagen? Kein Geld - keine Kultur! Oder sprechen wir mal über eine offensive Kulturförderung durch persönliche und private Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Organisationen, Vereinen und Kulturschaffenden.
Kultur ist ein Elixier und bestimmt im hohen Maß die Wertigkeit unseres Lebens.

Hartmut F. K. Gloger
Hagen/Westfalen im April 2010

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